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Kirche des Monats April


St. Nikolaus, Altheim


Alt oder neu, Kleinod oder Kulturdenkmal. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist reich an sehenswerten Kirchen. Das Bischöfliche Bauamt der Diözese stellt jeden Monat eine Kirche vor.

St. Nikolaus, Altheim

Gemeinschaft und Offenheit für den anderen werden in dem kleinen oberschwäbischen Ort Altheim groß geschrieben. Deshalb ist es nur selbstverständlich, dass die Altheimer eine Kirche haben, die dieses Lebensgefühl aufgreift.

Wer die St.-Nikolaus-Kirche betritt, dem fällt die Offenheit des für den 600 Einwohner zählenden Ort großen Gotteshauses auf. Hier ist nichts versteckt oder bedeckt – hier gibt es keine „toten Winkel“. Der offene Innenraum lädt den Besucher ein, in der Kirche zu verweilen.

Der Pfarrer der Kirchengemeinde St. Nikolaus, Pater Alfred Tönnis, schätzt an seinen Altheimern das besondere Gemeinschaftsgefühl, das die Gemeinde so lebendig hält. „Die Altheimer sind offen für Veränderungen“, sagt der Seelsorger. Nicht nur mit dem neuen Pastoralteam hat sich die Gemeinde angefreundet, sondern auch der Kirchenraum erscheint seit zwei Jahren in einem neuen Licht.

Verfolgt man die Geschichte des oberschwäbischen Ortes, so stellt man schnell fest, dass der Mut zum Wandel bei den Altheimern tief verwurzelt ist

Dass die Kirche in Altheim im Dekanat Biberach dem Heiligen Nikolaus geweiht ist, ist für Oberschwaben nichts Außergewöhnliches. Ganze zwölf Kirchen in dieser Region sind dem Bischof aus Myra geweiht. Beeindruckend und herausragend an der Altheimer Kirche sind aber die lange Tradition des Ortes und die baugeschichtliche Entstehung dieses sakralen Kleinods.

Als fränkische Wehrsiedlung entstanden wird der Altheim 851 erstmals schriftlich erwähnt. Wohl um die in dieser Region lebenden störrischen Alemannen zu domestizieren, hatten die Franken diesen Ort errichtet. Viele Jahrhunderte später, im Jahr 1621, kaufte das Kloster Salem das gesamte Dorf. Und so bekamen die Altheimer Christen eine kleine Kapelle zugesprochen. Die Kapelle wurde vom Pfarrer aus dem benachbarten Ort Schemmenberg mitbetreut. Als Lohn für das Lesen der Messe erhielt er eine Zehrung im Altheimer Gasthaus „zum Hirsch“.

1820 wurde die Kapelle wegen Baufälligkeit abgerissen. Ein Jahr später wurde die Errichtung einer Pfarrei in Altheim beschlossen. Nun erhielt Altheim ein Kirchlein, das der erste Bischof der neu gegründeten Diözese Rottenburg, Johan Baptist Keller, 1829 einweihte.

In Erinnerung an die Weihe brachten die Altheimer im Chorraum ein Fenster an, das den Patron der Diözese, den heiligen Martinus, darstellt.

In den Jahren 1909/1910 wurde die Kirche nach Plänen des aus Altheim stammenden Architekten Josef Cades noch einmal umgebaut. Querschiff und Chorraum werden hinzugefügt. Die Kunstmaler Hermann Siebenrock und Fritz Heinzler gestalten die Ausmalung der Kirche. Das Querschiff ziert nun ein Abendmahlbild und das Längsschiff, die Darstellung der vier westlichen Kirchenväter. Allerdings werden später sämtliche Wandfresken, sowie Chorbogen und Chorraum weiß getüncht. 2003/2004 wurde die Kirche nochmals renoviert. Nun konnten die Bänder und die Linierung, die die Deckenbilder fassten, wieder freigelegt werden.

Bei der Ausgestaltung im Innern blieben die neugotischen Seitenaltäre und die Kanzel von Josef Winter aus Biberach aus dem Jahr 1865 erhalten. Die Ausstattung des Chorraumes mit Altar und Chorgestühl stammen in Ihrer reduzierten Form aus dem 20. Jahrhundert. und werden der Werkstätte Schnell, Ravensburg, zugeschrieben. Florale Ornamentik findet sich an den Doggen der Kirchenbänke und deutet auf den Jugendstil hin. Ebenfalls vom Jugendstil beeinflusst sind die von Franz Xaver Zeller geschaffenen Fenster.

Bei der Durchführung der Sanierung bot sich nun die Gelegenheit einen Volksaltar zu realisieren. Man entschloss sich jedoch den Chorraum lediglich durch einen Altar und Ambo zu ergänzen, um den Raumeindruck des Gebäudes nicht zu verändern.

Der Kirchengemeinderat von Altheim beauftragte Michaela Fischer aus Auenstein/ Ilsfeld mit der Erstellung von Altar, Ambo, Osterleuchter und Kredenz.

Von der Künstlerin wurde ein Altar geschaffen, der versucht mit Form und Material auf die vorhandenen Stilelemente zu reagieren. Dies gelingt durch die klare Formensprache und die reduziert geometrische Ornamentik.

„Ohne eine aktive Gemeinde wären diese umfangreichen Maßnahmen nicht möglich gewesen“, sagt Pater Alfred Tönnis. Viele Initiativen und eine Spende der Musik- und Tanzgruppe Altheims machten die Freilegung der Fresken erst möglich. Die renovierte Kirche schätzt Pater Alfred vor allem wegen ihrer lichten Atmosphäre: „Im Kirchenraum versteckt sich nichts. Der Blick in der Altarraum ist offen – und ebenso der Blick in die Gemeinde.“